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Reise-Lust oder eher Reise-Frust? Reisen in Corona-Zeiten

mr.Flo war ganz neugierig zu erfahren, wie das Reisen zur Corona Hauptzeit so ist. Was darf man beachten? Und hat man überhaupt noch Spaß beim Reisen, wenn gefühlt ganz Deutschland schon EIN großer roter Kreis ist? Julia aus der mr.Flo Redaktion berichtet.

 

Unsere Reiseroute: München, Chiemsee, Salzburg. Jeweils 3 Tage in einem Hotel, einem Gasthof und bei Freunden. So war der Plan.
Vor der Reise waren mein Freund Michele und ich schon ein wenig durcheinander. Ich meine, solch eine Reisesituation hat eben noch niemand gehabt und es werden immer wieder neue Regelungen in Kraft treten. Angst war dabei gar nicht mal unser Hauptthema. Es war die Unsicherheit und Ungewissheit, die mitschwingt. Müssen wir den Mundschutz nun auch in der Öffentlichkeit tragen? Was müssen wir noch beachten? Es war eben alles unsicher und offen.
Zu unserem Glück hatte meine 82-jährige Omi mir, 4 Tage vor der Reise, schon den gesamten Überblick vermittelt den vermeintlichen Überblick zumindest. “Passt schön auf, seid vorsichtig! Den Mundschutz immer schön tragen, um andere und euch selbst gut zu schützen! Und in München ist Mundschutz Pflicht auch in der Innenstadt!” Okay. Danke liebe Oma für diese Auskünfte. Aber wie es dann vor Ort wirklich war, das stellte sich noch heraus…

Im Münchener City-Hotel angekommen, waren wir von der Gelassenheit etwas überrascht. Der Hotelfachmann an der Rezeption war durch und durch verschnupft und begrüßte uns lässig. Die neue Realität war: Check-In mit Mundschutz und Türgriffe anpacken mit dem Jackenärmel. Die Desinfektionssprüher standen auch überall herum. Man nimmt mittlerweile alles mit so einer Selbstverständlichkeit hin. Das überraschte mich schon. Wenn mir Anfang des Jahres jemand gesagt hätte, dass wir das ganze Jahr Mundschutz tragen müssen und den Geruch von Desinfektionsmittel in der Nase normal wurde (ein Glück, dass man es durch Baumwollmasken nicht so stark riecht!), hätte ich meinen Zeigefinger an die Stirn getippt. Aber gut, welcome in 2020! Es war eben wie es war. Wir freuten uns trotzdem auf neue Eindrücke auf unserer Reise. Raus aus dem Alltag.

Aus dem Hotel heraus spaziert beobachteten wir, dass nur vielleicht jeder Fünfte einen Mundschutz trug. Auch die drei Polizisten die uns, eng an eng gereiht, entgegen kamen nicht. Wir schlenderten durch die Straßen, unter dem Stadttorbogen hindurch und guckten uns sofort an “oh schau mal, jetzt tragen alle Mundschutz!”, so taten wir es den Münchenern gleich.

Wie vermutet, war es nach einigen Minuten ganz normal. Für ein Foto nahmen wir den blauen Stoff eine Sekunde von der Nase und wurden sofort von einer Dame verärgert angesprochen: “Es heißt Mund- und NASENschutz!” Also wieder auf und weiter ging die Stadttour. Eine Wurstl-Bude weiter, einen Meter um die Ecke uuuund… plötzlich hatte niemand mehr die Maske auf der Nase! Okay, dieser Anblick wechselte schnell!

Weiter ging unsere Reise zum wunderschönen Chiemsee. Was zu dieser Zeit auffällt ist der hohe Service an der Eingangstür der Gastronomien. “Warten Sie bitte hier, wir führen Sie zu Ihrem Platz.” Am Tisch, direkt einem Meter vor dem ruhig plätschernden See mit Alpenblick, saßen wir nun und konnten unsere Kontaktdaten bequem digital per Scancode übermitteln. Da haben sich die Besitzer dieses Jahr schon sehr viel ausgedacht, um es den Gästen so einfach wie möglich zu machen. Mehr Service also durch und durch. Alles in allem vergaßen wir so den Corona Trubel vollkommen. Keine Sorgen, keine Angst. Nur der romantische Seeblick und ein Glas warmen Alpen-Kräutertee in der Hand. Bis wir eben wieder aufstanden, den Mundschutz aufsetzen mussten oder die sehr zuvor kommende Bedienung zu uns kam, bei der es unübersehbar war, dass die Corona Prime Time noch lief…

Nach den vielen Spaziergängen und der Fahrradtour am wunderschönen Chiemsee vergaß man schneller als gedacht die Situation. Doch sie holte uns nun schneller wieder ein als gedacht. Wir wollten aufbrechen zu zwei Freunden nach Salzburg.

 

Unsere Freunden teilten uns mit, dass nun ein neuer Beschluss verfasst wurde. Salzburg ist nun auch Risikogebiet. Durchatmen mit direkter Frage: “Und was heißt das nun für uns?” 48 Stunden Aufenthalt sind erlaubt, ohne einen Corona Test machen zu müssen. Kurzerhand entschlossen wir uns dazu eine Nacht und einen Tag länger am Chiemsee bei unserer sehr netten Gastgeberin zu bleiben. Ein Glück, das unser Zimmer noch frei war.

Wir beschlossen, also nur einen Ausflug in die Berge zu machen, und mit unseren zwei Freunden eine Wanderung zu unternehmen.
Servus und grüß Gott in Österreich. Der Tag im Salzburger Land war wunderschön. Eine Wanderung im Hochkönigsgebirge war perfekt, um die Gedanken leicht drehen zu können. Für diesen Tag war Corona wieder so weit weg wie der Weg von der Bergspitze zum Talsee.

Die Rückreise am Montag vormittag über die Grenze Deutschland-Österreich war super entspannt. Keine Kontrolle oder Komplikationen. Alles wie immer kann man fast sagen…

hallo@mr-flo.life

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