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mr.Flo stellt vor: Der neue Chefarzt in Bünde

Er ist der Neue im Lukas-Krankenhaus. Dr. Christian Flottmann ist ab sofort Chefarzt der Kardiologie. Heute ist Mr. Flo im Namen der LIFE unterwegs und interviewt für uns Christan Flottmann.

LIFE: Christian Flottmann, in gewisser Weise ist Ihr Antreten der Chefarzt-Stelle ja ein „Coming Home“. Berichten sie unseren Lesern doch mal …
Christian Flottmann: Ja, das kann man schon sagen. Ich war schon vor 10 Jahren hier und habe eine tolle Ausbildung erfahren und habe mich sehr wohl gefühlt im Lukas Krankenhaus. In diesem Haus mit der besonderen Atmosphäre, wo man sich halt untereinander kennt, es kurze Wege gibt. Ich wollte dann aber meine Ausbildung noch ein wenig weiter spezialisieren und habe daraufhin zur Allgemeinen Inneren Medizin noch die Spezialisierung zum Kardiologen erworben. Und zwar im HDZ in Bad Oeynhausen. Denn ich bin gebürtiger Oeynhauser, meine Frau auch.
LIFE: Und dann ging es doch wieder zurück nach Bünde …

C. Flottmann: Ja, es gab einen Anruf, ob das interessant wäre. Über dieses Angebot habe ich mich sehr gefreut, weil es mir Vertrauen entgegen brachte. Ich bin dann in mich gegangen, denn ich habe mich im HDZ auch sehr wohl gefühlt, hatte dort auch eine sehr ausfüllende Stelle mit Verantwortung und habe das auch nicht ganz leichten Herzens abgewogen. Doch der Gedanke, ja – da kann man sich auch noch einmal entwickeln und kann sich noch mal etwas bewegen – das hat mich gereizt, muss ich sagen.

 „Bünde hält alte Werte noch hoch“

LIFE: Was hat sich seit damals verändert?
C. Flottmann: Auf medizinischer Ebene haben sich natürlich einige Sachen verändert, es gibt neue Einsatzmöglichkeiten, neue Medikamente, die Kardiologie hat sich seither weiter entwickelt. So haben wir eine ganz enge Kooperation mit der Praxis Diranuk, mit meinem lieben Kollegen Dr. Fuhrmann, mit dem wir halt Möglichkeiten haben, auch auf einem sehr hohen Niveau Patienten mit Herzkatheter zu behandeln. Die Therapie von Herzrhythmusstörungen hat sich zum Teil verändert, wo man mit modernen Herzschrittmachern die Patienten noch besser versorgen kann. Auf der anderen Seite sind bewährte Sachen, wie man sich um die Patienten kümmert, erhalten geblieben – ich finde es toll, dass man hier in Bünde immer noch versucht, alte Werte hochzuhalten.
LIFE: Der erste Monat im Lukas-Krankenhaus … wie war er?
C. Flottmann: Ich bin sehr nett und gut vorbereitet empfangen worden. Ich arbeite da sehr eng mit meiner Kollegin Tina Stranghöner zusammen, die gastroenterologische Chefin. Man bespricht sich, holt gegenseitig Rat ein. Wenn jemand Brustschmerz hat, kann das vom Magen her kommen, das kann ein Lungenproblem sein oder ein Herzproblem – da muss man sich austauschen. Und vom Pflegepersonal bin ich herzlich empfangen worden, das ich halt weitgehend noch von früher kenne.

LIFE: In Kurzform – Wie sieht das Aufgabengebiet eines Kardiologie-Chefarztes aus?
C. Flottmann: Ich leite die Medizinische Klinik II, Innere Medizin und Kardiologie. Wir haben zwei Betten-Stationen, wo alle Patienten mit internistischen Erkrankungen behandelt werden. Von Lungenentzündungen über das Herz-Kreislauf-Problem, der zu hohe Blutdruck, Herzrhytmusstörungen, eine COPD. Dazu kümmern wir uns um die Volkskrankheit der Verengung der Herzkranzgefäße, die lebensbedrohlich sein kann. Wir diagnostizieren Erkrankungen der Herzklappen – mit den meisten Erkrankungen ist man bei uns gut aufgehoben.
LIFE: Wie sieht ein typischer Arbeitsalltag des Chefarztes Flottmann aus?

C. Flottmann: Ich bin meistens kurz vor halb acht im Haus, schaue in den Terminkalender und die erste Stelle ist die gemeinsame Visite auf der Intensivstation. Wir schauen nach den Patienten und gegen 8 Uhr gibt es eine Übergabe mit dem Nachtdienst und der Klinik I. Dann ist oft Zeit, ein oder zwei Patienten ambulant zu sehen oder wir haben Herzkatheteruntersuchungen in Kooperation mit der Praxis Diranuk, die wir inzwischen nicht mehr über die Leistengefäße machen, sondern weniger belastend über die kleine Handschlagader. Danach ist Zeit für die Visite – ich versuche jeden Tag mir eine oder mehrere Stationen anzusehen. Nachmittags gehe ich nochmal ins Katheterlabor, aber man hat auch Aufgaben im Verwaltungsbereich – es ist halt viel im Fluss in der Medizin. Denn das Wissen verdoppelt sich alle zwei Jahre, das muss man auch immer regelmäßig einfließen lassen. Sie dürfen sich nie hinsetzen und zufrieden sein. Und Sie müssen auch immer die Mitarbeiter für etwas Neues abholen. Und schließlich habe ich nachmittags auch noch Angehörigengespräche, diese müssen auch geführt werden.

„Dann kommt es auf jede Minute an“

LIFE: Wie sieht es mit Not-Op´s aus?
C. Flottmann: Natürlich gibt es den plötzlichen Herzinfarkt, bei dem es oft darum geht, diese Ader so schnell wie möglich wieder aufzudehnen. Wir sind da mit dem Rettungsdienst vernetzt, so dass wir quasi im Rettungswagen im EKG schon sehen können, ist das ein großer Infarkt, der sofort behandelt werden muss. Und dann zählt auf dem Herzkathetertisch jede Minute, die der Muskel durch das verschlossene Gefäß nicht durchblutet wird, stirbt tatsächlich Gewebe ab. Und für die Lebensqualität des Patienten hinterher ist es total wichtig, dass so wenig wie möglich kaputt geht.
LIFE: Die Nähe zu den Patienten ist ihnen wichtig. Wie stellen Sie diese her?
C. Flottmann: Ich glaube, man muss sich wirklich kümmern. Einen guten Arzt macht immer noch aus, dass man neben der ganzen wichtigen Technik, die man hat, doch als Wichtigstes sieht, dass man erstmal hingeht und fragt: „Wie geht es Ihnen?“ Und rausfindet, was der Patient beiträgt. Manchen fehlen ja hier und da die richtigen Worte, aber der kennt sich selbst einfach am besten.
LIFE: Wann fiel die Entscheidung, Medizin zu studieren?
C. Flottmann: Ich bin zunächst sehr glücklich in Bad Oeynhausen aufgewachsen, habe schon zu Schulzeiten meine Frau kennengelernt, wusste aber nach dem Abi erst nicht so genau, was ich machen sollte. Zunächst habe ich mich für den Zivildienst und Rettungsdienst entschieden und Letzterer war so eine tolle Zeit. Man kann Menschen direkt helfen, viele sind dankbar dafür. Und da habe ich gedacht: das ist doch eine richtig sinnvolle Aufgabe und das wollte ich gerne weiter machen. Es folgte die Ausbildung als Rettungssanitäter, dann zum Rettungsassistenten und ich habe damit einen Teil meines Medizinstudiums finanziert. Ich hätte mir damals aber auch vorstellen können, bei der Feuerwache zu bleiben und Feuerwehrmann zu werden, das hat mich auch sehr gereizt.
LIFE: Und aus Ihrem Studium hat sich der intensivmedizinische Schwerpunkt entwickelt ….
C. Flottmann: Später dann im HDZ. Da war halt eine große intensivmedizinische Station mit schwerkranken Patienten und auch einem Herzkatheterlabor, da konnte ich mich dann weiter spezialisieren. Viel weiter geholfen hat mir auch das Netzwerk mit den Notärzten, den niedergelassenen Kollegen. Das ist natürlich schön, wenn man nach Bünde zurück kommt, und dann viele von den Kollegen noch persönlich kennt. Das macht vieles einfacher, wenn man direkt sagen kann, was ist denn los mit dem Patienten und Infos auch aus dem häuslichen Umfeld heraus erhält.

„New Orleans war einfach spannend“

LIFE: Was müssen wir sonst noch über die medizinische Vita wissen?
C. Flottmann: Ich habe die meiste Zeit in Münster studiert, einen Teil meines praktisches Jahres in Siegen gemacht. Mein Frau hat Lehramt studiert, war eher fertig und hatte ihre erste Stelle in Nordhessen. Direkt nach dem Studium habe ich in Münster meine Doktorarbeit geschrieben und einen Teil meines praktischen Jahres habe ich im Ausland verbracht.
LIFE: Wo genau?
C. Flottmann: Das war in New Orleans – eine sehr spannende Zeit. Das war ein öffentliches Krankenhaus, da lernt man schon unser Gesundheitssystem nochmal aus einer anderen Sicht zu sehen und zu schätzen.
LIFE: Und danach von New Orleans ins kleine Bünde …

C. Flottmann: Ja, ein guter Freund machte damals gerade seine Assistenzzeit in Bünde und sagte mir, das ist ein gutes Haus, eine gute Ausbildung, ein gutes Klima. Zudem hätte ich ans HDZ oder nach Oeynhausen ans Städt. Krankenhaus gehen können.. Und es gab eine Möglichkeit, wieder in die USA zu gehen, ein größeres Forschungsobjekt in der Anästhesie zu machen. Da haben wir lange überlegt, wie machen wir es jetzt. Unsere Tochter wäre dann in den USA geboren. Letztlich haben wir uns für Bünde entschieden und hier habe ich meine Facharztausbildung in der Inneren Medizin gemacht. Dem folgten der Facharzt für Innere & Kardiologie im HDZ und weitere Unterspezialisierungen. Dadurch können wir als Beispiel jetzt im Lukas Krankenhaus auch einen Schwerpunkt bei der rationalen Antibiotikatherapie setzen. Sie wissen, es gibt in den letzten Jahren immer mehr Probleme mit antibiotikaresistenten Keimen, hier können wir die Patienten noch besser versorgen, können an manchen Stellen andere Antibiotika einsetzen, um Resistenzen zu vermeiden. Teilweise können wir die Dauer der Gabe sogar einschränken – wir sind da in Deutschland schon relativ weit. Dieses Problem des teilweise unkritischen Antibiotikaeinsatzes, auch in der Landwirtschaft, wird ein Problem der kommenden Jahre werden. Da hatte ich einige Zeit, mich in der Antibiotikakunde weiter zu bilden und möchte das gerne hier im Lukas-Krankenhaus einsetzen.

„Das höchste Gut ist das Herz“

LIFE: Was fasziniert Sie an der Arbeit am Herzen?
C. Flottmann: Es hat mir gerade einer meiner Patienten ein Zitat gesagt: „Im Spiel des Lebens ist das höchste Gut das Herz.“ Ich fand das halt immer faszinierend, wie von einem Organ, das so einen wichtigen Stellenwert im Körper einnimmt, so viele Dinge ausgehen können. Das Schöne ist, dass sich die invasive Kardiologie so rasant weiter entwickelt und das auch in unserer nahen Umgebung. Die Arbeit im HDZ hat natürlich Strahlkraft und an dieser Entwicklung einen Teil beizutragen, das find ich total spannend.
LIFE: Sie leben in Bad Oeynhausen. Wie gefällt Ihnen Bünde?
C. Flottmann: Meine Familie hat mich schon jetzt gefragt, wann wir das nächste Mal nach Bünde fahren. Sie haben sich einen Tag lang alles angeschaut, am Schluss waren wir hier schön essen. Meine 12 jährige Tochter war jetzt auch mal shoppen mit ihren Freundinnen und sagte, es wäre besser als in Bad Oeynhausen.
LIFE: Diese Frage muss auch sein: Was hat sich in ihrer Tätigkeit durch Corona verändert?
C. Flottmann: Man ist jetzt natürlich doch etwas angespannter und muss immer daran denken, dass es auch eine Corona-Infektion sein kann. Wir sind hier in Bünde aber sehr gut aufgestellt.
LIFE: Sind Sie persönlich auch schon mit Corona-Fällen konfrontiert gewesen?
C. Flottmann: Wir haben ganz wenige positive und ganz wenig schwerkranke Patienten. Sie sind oft schon im höheren Alter und haben mehrere gesundheitliche Probleme. Es ist wirklich nicht so dramatisch, aber das liegt nur daran, dass wir uns alle an diese Regeln halten.
LIFE: Was möchten Sie alles auf den Weg bringen im Lukas-Krankenhaus?
C. Flottmann: Ich würde es zunächst schon gerne so erhalten, wie es ist. Wenn die Corona Krise mal eines Tages überstanden sein sollte, bin ich schon froh und dankbar, wenn wir wieder Medizin mit etwas weniger Distanz zu unseren Patienten machen können. Wenn ich die Arbeit, die hier geleistet wird, mit diesem Geist noch die nächsten Jahre fortführen kann, wäre mir das schon eine Ehre. Sagen zu können, in diesen schwierigen Zeiten kann man das Lukas-Krankenhaus so in dieser Form bewahren und noch ein bisschen weiter nach vorne bringen, so dass die Patienten sagen, wenn Du was am Herzen hast, kannst Du gut ins Lukas Krankenhaus gehen.
LIFE: Wie ist Ihre Abteilung organisiert?
C. Flottmann: Wir haben jetzt in der Klinik I im Moment drei Oberärztinnen, alles ganz tolle Kolleginnen, die fachlich sehr gut aufgestellt sind und mit denen man menschlich auch sehr gut arbeiten kann. Dann haben wir einen Stamm an Assistenzpersonal von 40 Mitarbeitern, die wir uns in beiden Kliniken rotierend teilen. Die Oberärzte wollen wir noch etwas ausbauen, weil die Ausbildung ganz wichtig ist.
LIFE: Noch einmal ganz privat: Wer gehört alles zu Ihrer Familie?
C. Flottmann: Meine Frau heisst Nina, unsere Tochter Lisa ist zwölf und unser Sohn Eric neun Jahre.
LIFE: Bleibt Zeit für Hobbys?
C. Flottmann: Ich reise gern, das geht ja im Moment nicht. Wir haben zwei Kaninchen, die uns auf Trab halten. Ich baue gerne mit meinem Vater zusammen was im Garten, gehe gerne laufen oder Fahrrad fahren. Ich bin sogar schon einmal von Oeynhausen mit dem Rad zur Arbeit nach Bünde gefahren. Und das war kein Elektro-Rad, das ist mir wichtig! (lacht…)

„Das Interview“ von Cathrin Kunze, Silke Koch und Stefan Winter. Mit Fotos von Andrea Klüter.

hallo@mr-flo.life

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